Krankheitsbild

Frontotemporale Degenerationen (FTD) entstehen durch verschiedene Varianten krankhaft bedingter, neurodegenerativer Prozesse im Gehirn. Dabei werden vor allem Bereiche im Stirn- und Schläfenlappen geschädigt. Dort ist der Sitz von erworbenem Wissen über gutes Benehmen, Normen und emotionaler Intelligenz.
Je nachdem, welcher Bereich zuerst betroffen ist, entstehen unterschiedliche Formen.
Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) aus dem Jahr 2025 lebten im Jahr 2023 in Bayern zwischen 1.344 und 2.420 Menschen mit einer FTD-Diagnose (Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege. (2025). Studie zur Versorgungssituation von Menschen mit frontotemporaler Demenz in Bayern). Jedes Jahr erkranken etwa 215 bis 551 Personen neu. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei rund 58 Jahren, weshalb FTD zu den Demenzen im jüngeren Lebensalter zählt. Manche Betroffene erkranken auch schon mit etwa 30 Jahren

Verhaltensbetonte Form (bvFTD)

Die häufigste Form (ca. 55 %) ist die verhaltensbetonte Variante. Typisch sind starke Veränderungen der Persönlichkeit und des Verhaltens. Betroffene wirken zum Beispiel antriebslos (apathisch) oder sehr getrieben. Oft nimmt auch die Empathiefähigkeit ab.

Sprachliche Varianten

  • Primär progressive Aphasie (PPA): Probleme beim Sprechen, Verstehen und Schreiben
  • Semantische Demenz (SD): Schwierigkeiten, die Bedeutung von Wörtern zu verstehen
  • Progrediente nicht-flüssige Aphasie: starke Wortfindungsstörungen

Motorische Varianten

  • Corticobasales Syndrom (CBS): beginnt oft mit Stürzen und zeigt parkinsonähnliche Symptome. Im Verlauf kann es zu starker Versteifung des Körpers kommen.
  • Progressive supranukleäre Blickparese (PSP): Betroffene können nicht mehr nach unten schauen. Die Augen wirken oft weit geöffnet und starr. Enge Räume oder Türen erhöhen die Sturzgefahr.
  • FTD mit Motoneuronerkrankung (FTD-ALS): führt zu einer fortschreitenden Lähmung der Muskeln. Auch Atmung und Schlucken können betroffen sein.

Diagnose

Experten gehen davon aus, dass es viele nicht erkannte Fälle gibt. FTD wird häufig erst spät oder falsch diagnostiziert. Typische Fehldiagnosen sind zum Beispiel Depression, Burn-out oder Schizophrenie. Oft fehlt den Betroffenen eine Krankheitseinsicht und Therapiebereitschaft.

FTD verursacht Symptome, die Konflikte mit sich bringen können

  • Beeinträchtigte Empathiefähigkeit
  • Abnehmender Sprachantrieb
  • Ausgeprägtes territoriales Empfinden bei erhaltener Orientierung
  • Motorische Unruhe
  • Probleme mit der Impulskontrolle (Wutausbrüche, verändertes Essverhalten)
  • Empfindlichkeit gegenüber Reizen
  • Zwanghaftigkeit
  • Ausgeprägte Eigenweltlichkeit
  • Normen werden erinnert, aber nicht mehr eingehalten
  • Riskantes Verhalten

Wissen über die Erkrankung und genaues Beobachten hilft im Umgang

  • Proaktiv handeln statt reaktiv
  • Trigger vermeiden
  • Rituale einführen
  • Erhaltene Orientierung nutzen
  • Bewegungsdrang ausagieren lassen
  • Handlungen nicht unterbrechen
  • Türen offen lassen
  • Niedrige Reizschwelle anerkennen
  • Blutzucker nicht absinken lassen